Eine Customer Data Platform ist nur so gut wie die Daten, die sie verarbeitet. Doch was genau landet eigentlich in einer CDP? In der Praxis lassen sich die meisten Datenpunkte, die eine CDP sammelt, vier grundlegenden Kategorien zuordnen. Wer diese vier Datentypen versteht, kann besser einschätzen, welche Quellen für das eigene Unternehmen relevant sind – und welche Anwendungsfälle sich daraus tatsächlich ableiten lassen.
Die vier Datenkategorien einer CDP im Überblick
Unternehmen ordnen ihre First-Party-Daten in der Regel vier Kategorien zu: Identitätsdaten, Interaktionsdaten, Verhaltensdaten und Einstellungsdaten. Jede Kategorie beantwortet eine andere Frage über den Kunden – und erst im Zusammenspiel entsteht ein vollständiges Bild.
1. Identitätsdaten: Wer ist diese Person?
Identitätsdaten, manchmal auch „Stammdaten" genannt, umfassen die grundlegenden persönlichen Informationen, die die meisten Unternehmen ohnehin erfassen:
- Name
- Telefonnummer
- E-Mail-Adresse
- Social-Media-Profil
- Demografische Angaben wie Alter, Geschlecht, Beruf, Wohnort und Einkommen
Diese Daten bilden das Fundament jedes Kundenprofils. Ohne sie lässt sich keine eindeutige Identität über verschiedene Systeme hinweg zuordnen – sie sind die Basis, auf der die Identitätsauflösung (Identity Resolution) überhaupt erst funktioniert.
2. Interaktionsdaten: Wie reagiert die Person auf die Marke?
Interaktionsdaten, auch „Engagement-Daten" genannt, zeigen, wie Kund:innen mit einer Marke in Kontakt treten – unabhängig davon, ob daraus ein Kauf entsteht. Dazu gehören:
- Öffnungs- und Klickraten von E-Mails
- Likes und Shares in sozialen Medien
- Reaktionen auf Call-to-Actions
- Downloads von Inhalten wie Whitepapers oder Leitfäden
Diese Datenkategorie ist besonders wertvoll, um die Wirksamkeit von Kommunikation zu messen. Sie zeigt nicht, was jemand letztlich kauft, sondern wie aufmerksam und empfänglich diese Person für bestimmte Botschaften ist.
3. Verhaltensdaten: Was tut die Person konkret?
Verhaltensdaten geben Aufschluss darüber, wie Kund:innen tatsächlich mit einem Produkt oder Service interagieren. Typische Beispiele:
- Abgebrochene Warenkörbe
- Kaufhistorie
- Anmeldungen für Services oder Probeabos
Verhaltensdaten sind oft die wertvollste Kategorie für Echtzeit-Trigger: Ein abgebrochener Warenkorb kann automatisch eine Erinnerungs-Mail auslösen, ein wiederholter Kauf kann ein Treueprogramm aktivieren. Diese Datenkategorie überschneidet sich teilweise mit Transaktionsdaten, fokussiert aber stärker auf das Muster hinter einzelnen Aktionen.
4. Einstellungsdaten: Was denkt die Person über die Marke?
Einstellungsdaten – im Englischen „Attitudinal Data" – erfassen die subjektive Meinung von Kund:innen über ein Unternehmen. Quellen sind unter anderem:
- Produktbewertungen
- Umfrageergebnisse
- Support-Tickets
- Direkte Interaktionen mit dem Kundenservice
Diese Kategorie wird häufig unterschätzt, liefert aber entscheidenden Kontext: Zwei Kund:innen mit identischer Kaufhistorie können völlig unterschiedlich über die Marke denken – und entsprechend unterschiedlich auf Marketingmaßnahmen reagieren.
Warum die Unterscheidung der Datentypen praktisch wichtig ist
In der Praxis fließen alle vier Kategorien aus völlig unterschiedlichen Quellen in die CDP: Website- und App-Tracking, CRM-Systeme, Kassensysteme, Support-Tools, Social-Media-Kanäle und Offline-Interaktionen. Jedes einzelne System liefert dabei meist nur einen Ausschnitt – etwa nur Verhaltensdaten aus dem Online-Shop oder nur Einstellungsdaten aus dem Support-Tool.
Eine CDP führt diese Fragmente zusammen und macht sie wechselseitig nutzbar: Ein Support-Ticket (Einstellungsdaten) lässt sich mit der Kaufhistorie (Verhaltensdaten) und dem E-Mail-Engagement (Interaktionsdaten) derselben Person verknüpfen. Erst dieses Zusammenspiel ermöglicht eine wirklich fundierte Entscheidung – etwa ob eine laufende Marketingkampagne für eine unzufriedene Kundin pausiert werden sollte.
CDP in der Kundenservice-Praxis: Mehr als nur Marketing
Während CDPs oft primär mit Marketing-Anwendungsfällen assoziiert werden, zeigt die Kombination der vier Datentypen, warum sie auch für Kundenservice- und Support-Teams hochrelevant sind.
Datensilos zwischen Abteilungen abbauen
Support-, Vertriebs- und Marketingteams arbeiten häufig mit getrennten Datensätzen. Ein Servicemitarbeiter sieht oft nicht, welche Marketingkampagnen eine Kundin zuletzt erhalten hat, während das Marketingteam keinen Einblick in offene Support-Tickets hat. Eine CDP verbindet Identitäts-, Interaktions-, Verhaltens- und Einstellungsdaten zu einem gemeinsamen Kontext, auf den alle Abteilungen zugreifen können.
Schnellere, persönlichere Kundengespräche
Wenn Support-Mitarbeitende beim Kontakt mit einer Kundin sofort die komplette Historie sehen – Bestellungen, bevorzugte Kanäle, frühere Anfragen, Stimmungslage aus früheren Tickets – müssen Kund:innen sich nicht wiederholen. Das verkürzt Bearbeitungszeiten und wirkt sich direkt auf die Kundenzufriedenheit aus.
Upsell- und Cross-Sell-Potenziale erkennen
Wenn alle relevanten Daten an einem Ort liegen, können Vertriebsmitarbeitende frühere Service-Interaktionen einsehen und gezielt ein Produkt anbieten, für das bereits Interesse signalisiert wurde – etwa weil ein Kunde im Support-Chat danach gefragt hat.
Häufig gestellte Fragen
Erfasst eine CDP immer alle vier Datentypen?
Nicht zwingend. Welche Datenkategorien tatsächlich genutzt werden, hängt von den angebundenen Quellen und dem jeweiligen Anwendungsfall ab. Unternehmen mit starkem Fokus auf Kundenservice legen oft mehr Wert auf Einstellungsdaten, während E-Commerce-Unternehmen häufig Verhaltensdaten priorisieren.
Was ist der Unterschied zwischen Interaktionsdaten und Verhaltensdaten?
Interaktionsdaten zeigen, wie jemand auf Kommunikation reagiert (etwa E-Mail-Klicks), während Verhaltensdaten zeigen, was jemand tatsächlich mit dem Produkt oder Service macht (etwa ein abgebrochener Warenkorb). Die Grenze ist in der Praxis manchmal fließend.
Sind Einstellungsdaten schwerer zu erfassen als die anderen drei Kategorien?
Tendenziell ja, weil sie meist aktive Beteiligung erfordern – etwa das Ausfüllen einer Umfrage oder das Schreiben einer Bewertung – statt passiv im Hintergrund erfasst zu werden. Genau deshalb werden sie in vielen CDP-Implementierungen am wenigsten konsequent genutzt, obwohl sie wertvollen Kontext liefern.
Reicht es, nur Identitäts- und Verhaltensdaten zu sammeln?
Für viele einfache Anwendungsfälle wie Retargeting reicht das aus. Für echte Personalisierung und vorausschauenden Kundenservice liefern jedoch erst Interaktions- und Einstellungsdaten den entscheidenden Kontext darüber, warum sich jemand auf eine bestimmte Weise verhält.
Fazit
Die vier Datentypen – Identität, Interaktion, Verhalten und Einstellung – sind kein theoretisches Konstrukt, sondern ein praktisches Werkzeug, um die eigene Datenstrategie zu strukturieren. Wer versteht, welche Kategorie aus welcher Quelle stammt und welche Frage sie beantwortet, kann gezielter entscheiden, welche Systeme an die CDP angebunden werden müssen – und vor allem, welche Anwendungsfälle in Marketing, Vertrieb und Kundenservice davon tatsächlich profitieren.